Rossminze Inhaltsstoffe machen die Pflanze so ungewöhnlich
Rossminze Inhaltsstoffe gehören zu den variabelsten innerhalb der gesamten Minzengattung. Während viele Menschen bei Minze sofort an Menthol denken, enthält die Rossminze (Mentha longifolia) häufig ganz andere Stoffe. Genau diese chemische Vielfalt macht die Pflanze für Botaniker, Aromaforscher und die Duftstoffindustrie interessant.
Eine Besonderheit der Rossminze ist ihre enorme genetische Variabilität. Zwei äußerlich nahezu identische Pflanzen können ätherische Öle mit völlig unterschiedlicher Zusammensetzung bilden. Deshalb sprechen Wissenschaftler bei Rossminze häufig von verschiedenen Chemotypen.
Rossminze Inhaltsstoffe im ätherischen Öl
Die wichtigsten Inhaltsstoffe befinden sich in den Öldrüsen der Blätter und Blüten.
Je nach Herkunft können folgende Stoffe dominieren:
- Piperitonoxid
- Piperitenonoxid
- Carvon
- Dihydrocarvon
- Pulegon
- Menthon
- 1,8-Cineol
- Limonen
- β-Caryophyllen
- Thymol
- Carvacrol
In wissenschaftlichen Untersuchungen wurden je nach Population und Methode Dutzende verschiedener Verbindungen im ätherischen Öl nachgewiesen.
Rossminze Inhaltsstoffe unterscheiden sich von Standort zu Standort
Eine der erstaunlichsten Eigenschaften der Rossminze ist ihre chemische Anpassungsfähigkeit.
Forscher fanden Populationen mit:
- überwiegend Piperitonoxid
- überwiegend Piperitenonoxid
- überwiegend Carvon
- überwiegend Thymol
- überwiegend Carvacrol
Diese Unterschiede können sogar innerhalb derselben Region auftreten. Wissenschaftler betrachten die Rossminze deshalb als eine der chemisch variabelsten Minzarten überhaupt.
Obwohl es sich bei der Rossminze nicht um eine meiner Lieblingspflanzen handelt, finde ich diese Tatsache jedoch außergewöhnlich spannend.
Rossminze Inhaltsstoffe und die Löslichkeit
Für Kräuterkundige ist die Löslichkeit oft wichtiger als die reine Anwesenheit eines Stoffes.
Wasser
Im Tee lösen sich vor allem:
- wasserlösliche Polyphenole
- Gerbstoffe
- Flavonoide
- geringe Mengen flüchtiger Aromastoffe
Der größte Teil des ätherischen Öls bleibt jedoch schlecht wasserlöslich.
Alkohol
Ethanol löst:
- ätherische Öle
- Terpene
- Monoterpene
- viele Bitterstoffe
- zahlreiche phenolische Verbindungen
Eine Tinktur enthält deshalb deutlich mehr aromatische Inhaltsstoffe als ein Aufguss.
Glycerin
Glycerin löst:
- bestimmte Polyphenole
- einige Flavonoide
Ätherische Ölbestandteile gehen schlechter in Glycerin über als in Alkohol. Aber auch hier bekommen wir Aromen in unser Glycerite.
Öl
Fette Pflanzenöle lösen:
- lipophile Duftstoffe
- ätherische Ölbestandteile
Dadurch eignet sich Öl gut zur Aufnahme vieler Duftkomponenten der Rossminze.
Die Angaben zur Löslichkeit beruhen auf den allgemeinen chemischen Eigenschaften der genannten Stoffklassen sowie auf Stoffdatenbanken zu den einzelnen Verbindungen.
Rossminze Inhaltsstoffe und das Rätsel um das Carvon
Eine besonders interessante Verbindung ist Carvon.
Carvon ist auch der Hauptduftstoff vieler Formen der Grünen Minze (Mentha spicata). In einigen Populationen der Rossminze treten ebenfalls hohe Carvon-Gehalte auf. Wissenschaftliche Untersuchungen aus Griechenland zeigten sogar Rossminzen mit einem ausgesprochen carvonreichen Ölprofil.
Genau hier beginnt eine wenig bekannte Besonderheit der Aromaindustrie.
Rossminze Inhaltsstoffe und die Verfälschung von Grüner Minze
Da manche Rossminzen ebenfalls hohe Carvon-Gehalte besitzen, wurden sie in der Vergangenheit als preisgünstige Rohstoffquelle für carvonreiche Minzöle untersucht.
Für die Industrie war das interessant, weil sich bestimmte Rossminz-Chemotypen chemisch teilweise an Spearmint-Öle annähern können. Deshalb taucht Rossminze in wissenschaftlichen Arbeiten gelegentlich gemeinsam mit Grüner Minze auf.
Das bedeutet nicht, dass jedes Rossminzöl automatisch als Fälschung verwendet wurde. Die chemische Ähnlichkeit erklärt jedoch, warum Rossminze für die Duft- und Aromaforschung von Interesse war.
Rossminze Inhaltsstoffe und der „Benzingeruch“
Ein kurioses Phänomen berichten immer wieder Sammler wilder Rossminze.
Einige Bestände besitzen einen Geruch, der eher an Lösungsmittel, Petroleum oder Benzin erinnert als an klassische Minze. In botanischen Diskussionen wird dieses Phänomen regelmäßig beschrieben. Auch ich habe das Phänomen schon mehrfach erlebt.
Eine mögliche Erklärung liegt in den unterschiedlichen Chemotypen. Rossminze enthält oft hohe Mengen an Piperitenonoxid oder Piperitonoxid. Diese Stoffe erzeugen deutlich andere Duftbilder als mentholreiche Minzen. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen die Dominanz dieser Verbindungen in vielen Wildpopulationen.
Rossminze Inhaltsstoffe als Forschungsobjekt
Rossminze gehört zu den am häufigsten untersuchten Wildminzen.
Studien beschäftigen sich unter anderem mit:
- Chemotypen
- Duftstoffprofilen
- Genetik
- Chemotaxonomie
- Anpassung an verschiedene Standorte
- landwirtschaftlicher Nutzung
- Aromastoffgewinnung
Mehrere Forschungsgruppen sehen die Rossminze sogar als potenzielle Kulturpflanze für die Gewinnung spezieller Aromastoffe.
Rossminze Inhaltsstoffe und historische Nutzung
Bereits lange vor modernen Analysen fiel Menschen auf, dass verschiedene Rossminz-Bestände unterschiedlich riechen.
Während einige Pflanzen angenehm süßlich duften, besitzen andere Populationen einen scharfen, kampferartigen oder beinahe medizinischen Geruch.
Heute weiß man, dass diese Unterschiede auf stark abweichende Zusammensetzungen des ätherischen Öls zurückzuführen sind. Die moderne Analytik hat damit erklärt, was Kräutersammler seit Jahrhunderten beobachten konnten.
Die 9 wichtigsten Rossminze Inhaltsstoffe
- Piperitonoxid
- Piperitenonoxid
- Carvon
- Dihydrocarvon
- Pulegon
- Menthon
- 1,8-Cineol
- Thymol
- β-Caryophyllen
Welche Verbindung tatsächlich dominiert, hängt vom jeweiligen Chemotyp ab. Genau diese außergewöhnliche Vielfalt macht die Rossminze zu einer der spannendsten Wildminzen Europas.
In der Kräuterkunde ist die Rossminze sicherlich die Minze welche am wenigsten Anwendungen findet. Auch ich habe versucht das Kraut zu trocknen. Es war tatsächlich übelriechend und ich habe es entsorgt. Andere wiederum lieben diese Minze und sammeln sie regelmäßig.
Übrigens ist der Sproß der Pflanze so zäh, dass ein einfaches Pflücken nicht möglich ist. Ich musste die Stiele absägen.
© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse und Kräuterwanderungen in Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz
Haftungsausschluss/Disclaimer
Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffen treffe, basieren auf meiner persönlichen Erfahrung und Verwendung und der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder Ähnliches, diese basieren auf Erfahrungswerten der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn, du meine Rezepte nachmachst, dann auf Eigenverantwortung.
Teilen mit:
- Drucken (Wird in neuem Fenster geöffnet) Drucken
- Einen Link per E-Mail an einen Freund senden (Wird in neuem Fenster geöffnet) E-Mail
- Auf X teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) X
- Auf Facebook teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Facebook
- Auf Pinterest teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Pinterest
- Auf Telegram teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Telegram
- Auf WhatsApp teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) WhatsApp